Kapitel 1 - Die Katze im Sack
Es war eine lauwarme Nacht in Berlin. Sie sassen zusammen, konsumierten beachtliche Mengen an Gras und bedauerten ihre vom Groessenwahn getriebenen Leben.
“Ich haette damals auf meine Eltern hoeren sollen. ‘Lern was anstaendiges! Studier kein BWL’, haben sie mir gesagt. Aber ich wollte nicht hoeren - ich wollte unbedingt Projektleiter sein.”
“Ja, Mann. Das kenne ich. Das kenne ich. … Reich mir mal die Tuete rueber.”
Und so sassen sie da. Geplagt von fallenden Pageimpressions und den mickrigen Werbeeinnahmen, die damit verbunden waren. Von flamenden Usern gestraft, die nicht an den September glaubten.
Es ging ihnen einfach dreckig und es war keine Besserung in Sicht.
“Tuer auf! Polizei!”
Eine tiefe Stimme drang durch die Massivholztuer der berliner Altbauwohnung. War es nun vorbei mit dem Lotterleben? Wuerde der gnadenlose Polzeiapparat ihnen den letzen Quell der Freude nehmen? Muessten sie auf ihr geliebtes Dope verzichten? Wuerden sie nie wieder mit LSD versetzten Tee trinken duerfen?
Neben sich stehend trat einer von ihnen an die Tuer. Sein Atem stockte und sein Herz schlug wie wild, als er zur Klinke griff.
“Haha, reingelegt! Alter Schwede! Ich hab den geilsten Stoff, den ich finden konnte!”
Ein schwerer Stein fiel ihnen vom Herzen. Es war ihr Dealer.
Er war einer der Menschen, mit denen man nicht spassen sollte. Er war gnadenlos und kannte Humor nur aus dem Papierkorb.
Doch eines machte ihnen Sorgen; Warum war er so gut gelaunt? Hatte er etwa wieder Geld auf RC-Autorennen gesetzt und gewonnen? Hatte er sich etwa einen groesseren Papierkorb gekauft? Oder hatte er schon ihr halbes Dope weggeraucht?
“Drogies … ich habe eine tolle Idee!”, fing er an, “Lasst uns doch einfach fusionieren!”
War eine Fusion wirklich die Loesung? War das BWL-Studium doch nicht sinnlos? Konnten sie doch noch einen Job als Projektleiter ergattern?
Sie waren bereit! Doch, war die Welt auch bereit?

